Das More- bzw. Wolf-Protein-Fasten kombiniert Intervallfasten mit dem Verzehr von proteinreichen Shakes während der Fastenphase. Der Ansatz wird in der Öffentlichkeit als schnelle Methode zur Gewichtsreduktion beworben, während gleichzeitig behauptet wird, dass er Muskelabbau verhindert und das Sättigungsgefühl verlängert. Wissenschaftliche Fachkreise sehen jedoch erhebliche Schwächen, weil die Aufnahme von Kalorien – selbst in Form von Protein – das klassische Fastenprinzip unterläuft und mögliche gesundheitliche Risiken birgt.
Was ist More- bzw. Wolf-Protein-Fasten?
Darüber schreiben wir in diesem Beitrag
Beim sogenannten More- oder Wolf-Protein-Fasten wird ein Intervallfasten-Schema, meist 16:8 oder 18:6, mit zwei kalorienarmen Proteinshakes in der Fastenphase kombiniert. In einem etwa sechs-Stunden-Essensfenster werden dann zwei eiweißbetonte Mahlzeiten zu den Shakes verzehrt, sodass der tägliche Kalorienbedarf gedeckt werden soll. Die Hersteller versprechen, dass die Shakes das Sättigungsgefühl erhöhen, Muskelverlust verhindern und gleichzeitig Körperfett reduzieren.
Warum das Konzept das klassische Fasten unterläuft
Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht hat das Konzept klare Schwächen:
- Die Zufuhr von Eiweißpulver während der Fastenphase liefert Kalorien und bricht damit die physiologische Ruhephase, die das Intervallfasten auszeichnet.
- Damit handelt es sich streng genommen nicht mehr um klassisches Intervallfasten, sondern um eine kalorienreduzierte Diät mit Shakes.
Matthias Riedl, Facharzt für Ernährungsmedizin und Diabetologie, betont, dass es für den speziellen Effekt – Muskelabbau zu verhindern – keine überzeugende wissenschaftliche Grundlage gibt. Jede Kalorienzufuhr hebt die stoffwechselphysiologische Ruhephase auf.
Kalorienzufuhr während der Fastenphase und ihre Auswirkungen
Eine Metaanalyse von 20 Studien aus dem Jahr 2022 (Quelle S2) zeigte, dass intermittierendes Fasten ohne signifikante Kalorienzufuhr zu positiven gesundheitlichen Effekten führen kann (Effektivität = 1,5). Die gleiche Analyse legt nahe, dass die Aufnahme von Kalorien, auch in Form von Protein, diese Effekte mindern kann. Dieses Ergebnis stärkt die Argumentation, dass die Kalorienzufuhr während des Fastens die physiologischen Vorteile des Intervallfastens möglicherweise negiert.
Risiken einer hohen Eiweißzufuhr
Forschungen zeigen, dass ein langfristig erhöhter Proteinverbrauch, insbesondere aus tierischen Quellen, mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen verbunden ist. Eine Studie aus dem Jahr 2021 (Quelle S1) ergab ein um 34 % erhöhtes Risiko für Herzkrankheiten bei Personen mit hohem Tierproteinverzehr.
- Erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen: 34 % (2021)
- Negative Beeinflussung der Gefäßgesundheit bei dauerhaft hoher Eiweißaufnahme
Diese Erkenntnisse erhöhen das Bewusstsein für potenzielle gesundheitliche Risiken einer eiweißlastigen Ernährung und unterstreichen den kritischen Blick auf das Protein-Fasten.
Gefährdete Personengruppen
Ein erhöhter Eiweißkonsum ist nicht für alle Menschen automatisch schädlich. Besonders problematisch kann er für folgende Gruppen sein:
- Personen mit eingeschränkter Nierenfunktion – hohe Proteinmengen belasten die Nieren zusätzlich.
- Menschen, die bereits ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko aufweisen – tierisches Eiweiß kann die Gefäßgesundheit weiter beeinträchtigen.
- Ältere Menschen, die zwar eine ausreichende Eiweißzufuhr (ca. 1,2 g/kg Körpergewicht, 2023, Quelle S1) benötigen, jedoch auf die Qualität und Herkunft des Proteins achten sollten.
Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) vs. Protein-Fasten
Die DGE gibt evidenzbasierte Leitlinien für eine ausgewogene Ernährung heraus. Das More-Protein-Fasten berücksichtigt diese Empfehlungen kaum. Während die DGE eine ausgewogene Mischung aus pflanzlichen und tierischen Proteinquellen sowie eine angemessene Gesamtenergiezufuhr empfiehlt, fokussiert das Fasten-Konzept stark auf isolierte Proteinshakes und eine stark reduzierte Kalorienzufuhr während der Fastenphase.
Praktische Fragen und FAQ
Ist Protein-Fasten sicher für alle?
Antwort: Nicht unbedingt. Personen mit bestehenden Nierenerkrankungen sollten vorsichtig sein, während andere Gruppen von einer ausgewogenen Proteinaufnahme profitieren können.
Zusammenfassung der wichtigsten Fakten
- Intervallfasten ohne Kalorienzufuhr zeigt laut Metaanalyse (2022, 20 Studien) positive Effekte (Effektivität = 1,5).
- Kalorien durch Proteinshakes während der Fastenphase können diese Effekte mindern.
- Hoher Tierproteinverzehr ist mit einem 34 % erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen verbunden (2021).
- Empfohlene Proteinaufnahme für ältere Menschen: 1,2 g/kg Körpergewicht (2023).
- Die DGE-Leitlinien werden im Protein-Fasten-Konzept kaum berücksichtigt.
Fazit
Das More- bzw. Wolf-Protein-Fasten verspricht schnelle Gewichtsreduktion und Muskelerhalt, doch wissenschaftliche Analysen zeigen klare Probleme. Die Aufnahme von Kalorien – selbst in Form von Protein – unterbricht die zentrale Ruhephase des Intervallfastens und kann die positiven Effekte, die in zahlreichen Studien nachgewiesen wurden, abschwächen. Zusätzlich birgt ein dauerhaft hoher Eiweißkonsum, insbesondere aus tierischen Quellen, ein nachweislich erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen. Die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung werden im Konzept kaum beachtet, was die wissenschaftliche Glaubwürdigkeit weiter reduziert. Wer auf eine gesunde Gewichtsreduktion abzielt, sollte daher kritisch prüfen, ob ein proteinbasiertes Fasten tatsächlich Mehrwert bietet, oder ob traditionelle, kalorienfreie Fastenmethoden in Kombination mit einer ausgewogenen, proteinreichen Ernährung aus natürlichen Quellen die sicherere und evidenzbasierte Alternative darstellen.




