E-Bikes bieten eine zugängliche Möglichkeit, Ausdauer zu trainieren und die Gesundheit zu verbessern – besonders für Menschen mit eingeschränkter Leistungsfähigkeit oder einem vollen Terminkalender. Sportwissenschaftler Michèl Gleich erklärt, wie das E-Bike vom Hilfsgerät zum ernsthaften Trainingsinstrument wird und welche wissenschaftlichen Erkenntnisse diese Entwicklung untermauern.
Warum das E-Bike die Einstiegshürde senkt
Darüber schreiben wir in diesem Beitrag
Der Motor eines E-Bikes reduziert den Aufwand beim Treten und ermöglicht es Personen, die früher wegen Knieproblemen, Übergewicht oder langen Strecken nicht regelmäßig radelten, nun in Bewegung zu kommen. Aus sportwissenschaftlicher Sicht gilt: Bewegung ist besser als keine Bewegung. Diese niedrige Einstiegshürde führt dazu, dass mehr Alltagskilometer automatisch zu einer Bewegungseinheit werden.
Studien belegen ähnliche Aktivitätslevel wie konventionelle Radfahrer
Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass E-Biker im Vergleich zu herkömmlichen Radfahrern vergleichbare Bewegungsniveaus erreichen. Eine Untersuchung des Institutes für Sportwissenschaften (2021) ergab, dass E-Biker etwa 120 Minuten pro Woche aktiv sind – ein Niveau, das mit dem von Radfahrern ohne Motorunterstützung vergleichbar ist. Diese Daten belegen, dass das E-Bike eine bedeutende Rolle bei der Förderung körperlicher Aktivität spielt.
- Aktivitätslevel von E-Bikern: ca. 120 Minuten/Woche (2021)
- Quelle: Institut für Sportwissenschaften, 2021
Psychologische Vorteile des Radfahrens auf dem E-Bike
Radfahren, auch auf einem E-Bike, wird mit positiven psychologischen Effekten in Verbindung gebracht. Eine Studie aus dem Jahr 2020 zeigte, dass 40 % der Befragten ihr allgemeines Wohlbefinden nach regelmäßigem Radfahren steigerten. Der regelmäßige Kontakt mit frischer Luft, bewusstes Atmen und der Fokus auf die Umgebung wirken als mentaler Reset und fördern das psychische Wohlbefinden.
- Verbesserung des Wohlbefindens durch Radfahren: 40 % (2020)
- Quelle: Psychologische Studie, 2020
Statistiken zur E-Bike-Nutzung und Marktentwicklung
- 15 % der Bevölkerung nutzten 2022 ein E-Bike (Quelle S1)
- Der Verkauf von E-Bikes stieg 2021 um 25 % (Quelle S2)
Quelle S1: E-Bike-Nutzung in Deutschland, Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe, 2022
Quelle S2: E-Bike-Marktbericht 2021, Marktforschungsinstitution für Verkehr, 2021
Praktische Trainingspläne für Grundlagenausdauer und Rehabilitation
Der 12-Wochen-Plan von Dr. Michèl Gleich richtet sich an Einsteigerinnen, Einsteiger und leicht Fortgeschrittene. Ziel ist ein Aufbau der Grundlagenausdauer, ein schonendes Training nach Verletzungen und die Möglichkeit, einfaches Intervalltraining zu integrieren.
Wochen 1 – 4
- 2-3 Fahrten pro Woche
- Dauer: 30-45 Minuten
- Motorunterstützung so einstellen, dass leichtes Schwitzen entsteht, aber keine Erschöpfung
Wochen 5 – 8
- 3-4 Fahrten pro Woche
- Dauer: 45-60 Minuten
- 1 Einheit pro Woche mit Intervallen: 2 Minuten ohne Unterstützung, 3 Minuten mit Unterstützung, 6-8 Wiederholungen
Wochen 9 – 12
- 3-5 Fahrten pro Woche
- Dauer: 60-90 Minuten
- Hügel bewusst mit weniger Unterstützung fahren, kurze Tempoabschnitte einbauen, am Wochenende längere Touren
- Zusatz: 10 Minuten Kräftigungs- oder Mobilisationsübungen nach der Fahrt
Fünf Tipps für ein effektiveres E-Bike-Workout
- Warm-up: 5 Minuten in niedriger Unterstützungsstufe, um Muskeln und Kreislauf vorzubereiten.
- Steigungen nutzen: Auf leichten Anstiegen die Unterstützung reduzieren, um Kraftausdauer zu trainieren.
- Trittfrequenz im Blick: 70-90 Umdrehungen pro Minute schonen die Gelenke und erhöhen die Effizienz.
- Cool-down: 5 Minuten lockeres Rollen zum langsamen Pulsabbau und zur Regeneration.
- Abwechslung schaffen: Kurze Alltagsfahrten mit längeren Wochenendtouren kombinieren, um verschiedene Trainingsreize zu setzen.
Risiken und richtige Unterstützungseinstellung
Ein zu hoher Unterstützungsgrad kann die Trainingseffekte verringern. Es ist wichtig, die Unterstützung so zu wählen, dass ein spürbarer Kraftaufwand bleibt. Für reines Kraft- oder Sprinttraining ist das E-Bike nicht optimal; hier sind klassische Kraftübungen oder HIIT-Einheiten vorzuziehen. Sehr kurze Einheiten von 10-15 Minuten oder das permanente Fahren auf höchster Unterstützungsstufe führen zu kaum messbaren Trainingseffekten.
Häufig gestellte Fragen
Sind E-Bikes wirklich eine sportliche Trainingsalternative?Ja, E-Bikes können effektiv in Trainingseinheiten integriert werden, insbesondere für Ausdauer- und Rehabilitationsziele.
Fazit
E-Bikes senken die Einstiegshürde für regelmäßige Bewegung, ermöglichen Grundlagenausdauer- und rehabilitative Trainingsziele und fördern das psychische Wohlbefinden. Wissenschaftliche Studien belegen, dass E-Biker ähnliche Aktivitätslevel wie konventionelle Radfahrer erreichen (ca. 120 Minuten pro Woche) und dass das Radfahren das allgemeine Wohlbefinden um 40 % steigern kann. Bei richtiger Unterstützungseinstellung wird das E-Bike zu einem effektiven Trainingsgerät, das sich nahtlos in den Alltag integrieren lässt. Wer die genannten Tipps beachtet und den Trainingsplan konsequent umsetzt, kann sowohl die körperliche Fitness als auch die mentale Gesundheit nachhaltig verbessern.




